GEORG PENCZ
Thetis und Chiron
Kupferstich
13.4 x 18.8 cm (5 ¹/₄ x 7 ³/₈ inches)
1543
Bartsch 90; Landau 78 ; Hollstein 119
Provenienz
Duc d’Arenberg (Lugt 567)
Überblick
Superbes Prachtexemplar von kaum zu überbietender Brillanz.
Samtig tiefschwarz in den dichten Kreuzlagen, zugleich von schönster Transparenz und Klarheit.
Auf der Plattenkante geschnitten. Rückseitig mit leichten Papierausdünnungen. Spuren einer ehemals mehrfachen Faltung kaum störend angesichts der überragenden Druckqualität.
Unter den Nürnberger ‚Kleinmeistern‘ war es vor allem Georg Pencz, der sich in besonderem Maße mit Sujets aus der antiken Mythologie auseinandergesetzt hat.
Die vorliegende Komposition illustriert eine selten dargestellte Begebenheit aus dem Leben des Achilles, von der P. P. Statius im ersten Buch seines unvollendet gebliebenen epischen Gedicht >Achilleid< berichtet.
In Sorge um ihren Sohn Achill besucht die Nymphe Thetis den Kentaur Chiron, der im Auftrag ihres Mannes Peleus die Erziehung des Knaben übernommen hatte, in seiner Höhle am Berg Pelion. Die Vorbereitungen zum Trojanischen Krieg sind bereits im vollen Gange und die Mutter, die aufgrund ihrer seherischen Fähigkeiten weiß, daß ihrem Sohn bestimmt ist, entweder ein langes bequemes Leben daheim zu führen oder früh, wenn auch ruhmreich im fernen Troja zu sterben, kommt, um Achill abzuholen und an den Hof des Lykomedes auf der Insel Skyros zu bringen, wo er sich in Frauenkleidern versteckt halten soll. Wie bei Statius beschrieben, läßt Pencz Achill zusammen mit seinem Freund Patroclus gerade von der Löwenjagd heimkehren, als die Mutter seinen Lehrer ins Vertrauen zieht. Die Beute, eine mächtige Löwin, hat er bereits niedergelegt. Im nächsten Moment wird er seiner Mutter um den Hals fallen.
Pencz‘s humanistisch gebildete Zeitgenossen wussten um die Vergeblichkeit der mütterlichen Vorsorge der Thetis. Achill wird als Held von Troja früh sterben.
Eine gleichseitige, weißgehöhte Federzeichnung auf blauem Papier befindet sich in der Universitätsbibliothek Erlangen.

